Mein Leben im Tiny House

Beate lebt seit Ende 2018 in
einem Boxliving Haus in Braunfels.

 

 

 

 

Wie geht es mir mit meinem „neuen Leben“?

Eine Frage, die ich mir gelegentlich stelle; andere stellen sie recht häufig. Die Frage ist einfach zu beantworten: Mir geht es noch viel viel besser als erwartet und ein Zurück in eine Wohnung kann ich mir überhauptgarnichtniemalsmehrvorstellen. Ich finde es spannend, wie vermeintlich unspektakuläre Erfahrungen mein Leben geprägt haben und mich nach vier Jahrzehnten in eine Lebensform führen, die ein vertrautes, wenn auch in den Hintergrund getretenes Lebensgefühl wieder zum Vorschein bringt. Seinerzeit machten sich meine Eltern mit ihren 3 Kindern in einem völlig überladenem „Škoda 1100 MB“ auf den Weg. Campingurlaub in Italien, so war es geplant. Kaum angekommen machte sich große Enttäuschung breit. Der Platz war zwar schön gelegen, einladend direkt an einem See. Allerdings gab es dort: Zu viel von Allem!

Folgerichtig ging die Fahrt weiter. Die Reise führte uns bis nach Kroatien. Dort fanden wir einen Campingplatz auf dem für uns paradiesische Zustände herrschten, die Freude war groß. Es gab dort keine Autos, kein Strom, kein Wasser, eine Hocktoilette, und das einzige Dorf der kleinen Insel war eine ¾ Stunde Fußmarsch entfernt.

„Zurück in eine Wohnung kann ich mir überhauptgarnichtniemalsmehrvorstellen“

Getrieben von der Sehnsucht nach dem Ursprünglichen und dem einfachen Leben, ausgestattet mit dem Notwendigstem, verbrachte ich mein Leben sowie viele Reisen dergestalt. Später dann mit Kind und Kegel lebten wir eher klein und günstig, damit viel für Reisen übrig blieb. Reisen, die denen meiner Kindheit deutlich ähnelten. Nachdem die Kinder aus dem Haus waren, zog es mich irgendwann in ein Forsthaus im Wald. Das Leben dort war nicht unbedingt tiny, aber gestaltete sich als recht einfach, ohne viel Brimborium. Meine letzte Station vor dem Tiny House war eine Wohnung mit 33 qm. Das Wohnen in dieser Wohnung war ein schönes Wohnen.

Die Dinge, die ich zum Leben brauchte, waren überschaubar. Ich hatte wieder Zeit, die zuvor von Haus und Grund geschluckt wurde.

Nach einigen Jahren schlich sich Routine und das Gefühl, etwas zu vermissen ein. Ein unliebsames Gefühl, das mich in meinem Leben immer mal wieder begleitet und schlussendlich zur Veränderung meiner Lebenssituation führte. In dieser Phase werden die Weichen für mein Leben im Tiny House gestellt. Das Lesen über alternative Wohnformen und Träumen vom schöneren Leben genügt mir seit geraumer Zeit nicht mehr. Ich werde aktiv. Im Frühsommer 2018 lernte ich auf einem Tiny House-Stammtisch Menschen kennen, die den gleichen Wunsch hegten und welche, die ihn verwirklicht hatten. Bald darauf schaute ich mir einen Campingplatz an, der damit warb, ein Tiny House Dörfchen ins Leben rufen zu wollen. Zu meinem großen Glück begegnete ich alsbald Michael Herbst von BOXLIVING. Mein Traum vom Tiny House rückte in greifbare Nähe und wurde im Herbst 2018 Wirklichkeit.

Ich wohne in einem Tiny House.

Ich freue mich täglich über mein neues Leben. Reduziert auf das Notwendigste fühlt sich das Leben leicht an.

„Wenn es leicht ist, stimmt es.“

Diesen Satz habe ich irgendwann einmal irgendwo aufgegriffen. Im Laufe der Zeit hat er in meinem Leben stetig mehr an Bedeutung gewonnen. Mittlerweile ist er zum Wegweiser geworden. Mein Leben ist annähernd befreit von all dem unnötigem Ballast, von all der vergeudeten Zeit, die die Sorge um diesen Ballast mit sich führt. Was bleibt, bin ich mit viel mehr Raum und Zeit und infolgedessen wieder großen Gefallen daran, Neues zu erfahren und entdecken. Ich bin zur rechten Zeit diesem Wahnsinn vom immer schneller werdenden Leben mit immer mehr Kompensationskonsum und immer weniger
Zeit für das WESENtliche und das EIGENtliche entgegengetreten, indem ich neue Pfad betreten habe. Ich kann mich sehr entspannt den schönen Dingen im Leben widmen. Gleichsam habe ich schon und lerne immer noch viele neue Menschen kennen. So viele wertvolle Begegnungen, die mein Leben bereichern. Neben all diesem enormen Zugewinn an Lebensqualität ist es ein gutes Gefühl zu wissen, dass ich überdies meinen ökologischen Fußabdruck verringern und somit meinen Beitrag zum Schutz der Erde leisten kann.
Vielen Dank für die Bilder an Stephan Klement, Wetzlar

Kommentare
  • 20. November 2019
    Francis Bee

    Super … daran arbeite ich auch gerade. Leider hat meineMutter gerade einen Schlaganfall erlitten – Pflegeheim – Wohnungsauflösung und Zuwachs in meiner Wohnung. Ich habe mich gerade wieder verdoppelt und versuche die Dinge möglichst umweltschonend nicht in den Müll zu entsorgen, sondern Menschen zu geben, die gar nichts haben und etwas für ihr „Kleines“ brauchen. Das ist unglaublich schwer, weil ich nicht genug Lagerraumhabe, aber ich habe mein Ziel im Blick: Tiny … und dort sollen meine Möbel (Vollholz) verbaut werden. Irgendwie, aber eben nicht weggeschmissen, weil ich diesen Planeten nicht noch mehr Schaden zufügen möchte. Wiederverwertung-Müllvermeidung ist mein vorrangiges Ziel.
    Vielen Dank für Deinen gefühlvollen Bericht, der mich persönlich in meinem Tun bestärkt.
    VG Francis Bee

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    • 1. Dezember 2019
      beate

      hallo francis bee,

      danke für deinen doch recht persönlichen kommentar.

      was du schreibst, verstehe ich allzu gut.
      als wir geschwister vor wenigen jahren unser elternhaus auflösen mussten, hätte ich es einfacher haben können…. entrümplungsfirma beauftragen und weg mit allem.
      ich wollte das nicht. also habe eine haushaltsauflösung organisiert und die wohnung meiner syrischen freunde eingerichtet. der rest kam in ein sozialkaufhaus, öffentliche bücherschränke wurden bestückt, usw. auf dem müll landete ausgesprochen wenig.
      es dauerte einige monate, bis alle dinge gut untergebracht waren. dennoch war und bin ich mit diesem weg sehr zufrieden.

      wenn du möchtest, lade ich dich gerne mal in mein th ein, um die wunderbare atmosphäre in so einem häuschen zu erleben.

      liebe grüße … beate

      Antworten
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